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Wie ich in stressigen Phasen Zeit für mich finde

Gastbeitrag von Nina Pfister

Klassische Ausrede: Dafür habe ich keine Zeit

Morgens früh aufstehen, durch den Tag hetzen, abends ins Bett fallen. Im Bett denkst du: „Eigentlich wollte ich doch noch Yoga machen. Joggen. Den Artikel in dieser Zeitung lesen. Meine Freundin anrufen. Einen Wellnessabend im Badezimmer genießen.“ Was hat dich abgehalten? „Keine Zeit. Ich hatte so viele Dinge zu tun. Ich bin so gestresst. Da finde ich einfach keine Zeit dafür.“ Zeit für mich? Fehlanzeige.

Ich kenne das nur zu gut aus eigener Erfahrung. Ich wollte gern regelmäßig Nordic Walking machen. Ich stellte die Stöcke in den Flur, direkt daneben die Schuhe. Der Wald ist nur fünf Gehminuten entfernt. Und trotzdem hatte ich keine Zeit. Erst muss ich ja noch einkaufen, waschen, putzen, den Newsletter rausschicken, die Mails beantworten… Kommt dir bekannt vor? Zusätzlich haben mich Bekannte und Kollegen ausgelacht, dass Nordic Walking kein Sport sei. „Das ist ja wie der Storch im Salat!“ „Ach das machen doch die Hausfrauen immer.“

So kann es nicht weitergehen, habe ich gedacht. Es ist meine Zeit hier auf der Erde. Der Alltag sind genau die Momente meines Lebens. Die Summe der Augenblicke ergibt das Leben.

Was habe ich daraus gelernt?

Erstens: Ich erzähle meine Vorhaben nicht mehr wahllos herum, denn das bringt nur Gegenwind. Ich darf es aber gern erzählen, wenn ich es fest in meinen Tagesablauf integriert habe.

Zweitens: Ich erkenne, dass meine Erklärung „keine Zeit“ nur eine Ausrede ist, weil ich etwas Neues in meinem Alltag etablieren will. Für anderes habe ich ja Zeit. Es ist eine Sache der Priorität. Mein innerer Bodyguard will mich von Neuem abhalten, weil er mich vor Gefahren des Unbekannten schützen möchte. Aber ganz ehrlich. Nordic Walking, Meditation, Wellness im Badezimmer oder eine Tasse Tee in Ruhe werden mich nicht umbringen.

Drittens: Ich mache einen Termin aus. Wenn ich einen Termin in meinem Kalender stehen habe, dann halte ich den auch ein. Wenn ich allerdings abends ins Bett gehe und denke: „Morgen könnte ich eigentlich Nordic Walking machen, falls das Wetter gut ist, ich Zeit finde und ich motiviert bin“, dann wird das nichts.

Ich mache jetzt einen Eintrag in meinen Terminkalender, wenn ich Zeit für mich beanspruche. Sonntags gehe ich meinen Wochenplan durch und notiere mir die „Zeit für mich“-Termine. Jeden Tag habe ich nun Zeit für meine Aktivitäten oder Wünsche. Gerade in besonders stressigen Phasen ist das sehr wertvoll. Es muss auch nicht immer eine Stunde Nordic Walking sein. Wenige Minuten reichen aus, um mich wieder zu spüren. Fünf Minuten Stille. Meditation. In den Himmel schauen und die Wolken beobachten. Aber in den Terminkalender eintragen! Ich schreibe zum Beispiel: „11:00-11:15h Zeit für mich“, wenn ich noch nicht weiß, wonach ich mich fühle. Brauche ich Ruhe? Will ich laute Musik hören? Habe ich Lust auf einen Tee mit Keksen? Wenn ich weiß, ich will Nordic Walking machen, dann trage ich ein: 10-11 Uhr Nordic Walking.

Kein schlechtes Gewissen

Das Wunderbare an den Terminen mit mir selbst ist: Ich habe kein schlechtes Gewissen. Denn ich hatte es in meinem Terminkalender stehen. Ich kann den Termin sogar als „erfolgreich“ abhaken und mich noch toller fühlen. Zusätzlich schaffe ich es auf diese Weise, diese Zeiten für mich als Gewohnheiten zu etablieren. Dadurch fällt es mir von Woche zu Woche leichter, diese Termine zu machen und auch einzuhalten. Genauso habe ich auch mein Morgenritual eingeführt. Ich komme morgens nicht so leicht aus dem Bett, muss aber sehr früh aufstehen. Da ich morgens Zeit brauche, um wach zu werden, mache ich Yoga und Atemübungen direkt nach dem Aufstehen. Dazu stehe ich mittlerweile eine halbe Stunde früher auf. Hört sich erstmal paradox an, oder? Noch früher aufstehen, wenn ich eh so schwer aus dem Bett komme? Es hilft wirklich. Durch die Übungen bin ich fokussierter und wacher als vorher. Natürlich habe ich mich langsam gesteigert. Wenn du dich am Anfang voller Motivation überforderst, kommt wieder dein Bodyguard und will dich von dem gefährlichen Neuen abhalten. Also Achtung. Fang in kleinen Schritten an. Jeden Tag nur fünf Minuten reichen aus für den Anfang.

Überlege zum Abschluss, wann du am produktivsten bist. Morgens, mittags oder abends? Wann benötigst du am ehesten eine Pause? Zu welchem Zeitpunkt des Tages hast du einen Durchhänger und bräuchtest Motivation? Wann wäre also der beste Zeitpunkt für dich persönlich, deinen Termin für die „Zeit für mich“ zu machen?

Liebe dich selbst

Wenn du diese Termine mit dir selbst vereinbarst, dann zeigst du dir damit Wertschätzung und Respekt. Du achtest dich und deinen Körper. Wie oft kümmerst du dich um andere, bevor du dich um dich selbst kümmerst? Es sollte umgekehrt sein. Erst achtest du auf dich. Das ist auf keinen Fall egoistisch. Es bedeutet vielmehr, dass du dir wichtig bist und du dich schätzt und liebst. Du kannst dich so wundervoll mit viel Energie um andere kümmern, wenn es dir gut geht. Schleppe dich nicht aufopferungsvoll durch deinen Alltag, um am Ende auszubrennen. Nimm dir die Zeit für dich. Es ist schließlich dein Leben und deine Zeit hier auf der Erde.

Nina Pfister

www.ninas-glueckstraining.de

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